Drinks! Musik! (2)

Es gibt Bilder, Geschmäcker und insbesondere Gerüche, die den Betrachtenden / Schmeckenden / Riechenden auf der Stelle in eine spezifische Stimmung versetzen, und ebenso spezifische Erinnerungen hervorholen, egal, wie weit sie zurückliegen.
Natürlich kann dieser Effekt auch mit Musik hergestellt werden; und bei mir tritt er am eindringlichsten auf, wenn ich Starlight von Muse höre.

Ohnehin sind Muse natürlich toll; was sie meiner Meinung nach besonders auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, Musik zu machen, die, von jeder beliebigen anderen Band gespielt, grauenhaft klingen würde, bei ihnen aber auf magische Weise richtig klingt. Der leidende Gesang, die noisigen Elemente, der Pathos — wie sie es schaffen, daß ihre Musik trotz alledem null nervt, ist mir völlig schleierhaft.

Zurück zu Starlight. Das Gegrummel und Gewaber zu Beginn reicht völlig aus: wenn ich dazu die Augen schließe, bin ich auf der Stelle wieder 24, stehe im Keller vom Sappho in Paderborn, habe einen Kapuzenpulli an und eine der etikettlosen grünen Veltinsflaschen in der Hand, bin ange- bis betrunken und fühle eine ganz eigentümliche, nicht unangenehme Mischung aus Freude, Melancholie, reinem Glück und Verwirrtheit. Wie toll kann Musik bitteschön sein? Der letzte Refrain und das Ende (ab 3:20) gehören zu den größten Momenten der Musikgeschichte, sorry, drunter mach ich’s nicht.

Welches Getränk dazu paßt: na klar, Veltins aus einer dieser etikettlosen grünen Veltinsflaschen.

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Drinks! Musik!

Eine neue Idee, eine neue „Serie“: Ich präsentiere eine Reihe wahnsinnig toller Songs, und, der Clou, welches Getränk dazu paßt.

Den Anfang macht Journey – Don’t stop believin‘, weil er genau das ist: ein perfekter Start! Beginne eine Reise mit dem Song, und sie wird super; setze das Spaghettiwasser mit dem Song im Hintergrund auf, und die Pasta wird fantastisch schmecken; beginne eine Blogserie mit diesem Song, und die Nutzerstatistiken werden koksend Parties feiern, auf denen, na klar, „Don’t stop believin'“ läuft.

Das zum Song passende Getränk: eine auf Minustemperaturen heruntergekühlte Fritz Kola. Natürlich.

Meta-Meta-Medienkritik

Klar, momentan schreibt jeder etwas zu dem Thema, der irgendwie an eine Tastatur kommt. Ich bin nicht im geringsten versessen drauf, mitzutun, aber ein Aspekt ist mir wichtig; und da ich ihn noch nirgendwo gelesen habe, schreibe ich ihn hier auf.

Was mich beschäftigt, und wirklich betroffen macht, ist, daß der Flugzeugabsturz, und alles, was damit in den Medien zu tun hat, instrumentalisiert wird. Das ist wenig überraschend; neu und unschön hingegen ist, daß es auf allen Ebenen passiert.

Daß von Boulevardmedien wie Diekmanns Drecksblatt, Express undundundoderoderoder [1] aufs ekelhafteste gehandelt wird, ist ohnehin klar, zwar erschreckt man sich aufgrund der Widerlichkeit bei jedem Unglück aufs neue, aber ernsthaftes Überraschungspotential gibt es hier nicht.

Daß auch seriösere Medien wie die Süddeutsche, FAZ und so weiter artig mitspielen, Reporter nach in Wohnorte von Opferangehörigen und mutmaßlichem Täter schicken, obwohl sie wissen, daß Zurückhaltung angesagt wäre — geschenkt [2]. Find ich es gut? Nein. Überrascht es mich, daß auch diese Medien Druck auf Angehörige ausüben? Leider nein.

Es geht allerdings noch weiter: Die Emma ist sich nicht zu blöd, das Unglück ganz direkt für ihre politischen Forderungen zu instrumentalisieren. Ob der Artikel inhaltlich korrekt ist oder nicht, ob die Autorin recht hat oder nicht, ist mir im übrigen völlig egal — daß sie ihn zu diesem Zeitpunkt schreibt, finde ich ekelhaft.

Tatsächlich überraschend, obzwar weniger infam als die vorhergegangenen Beispiele, dafür aber auf eine tragische Art schade finde ich, daß der Unfall auch von denjenigen Medien für ihre eigenen Zwecke instrumentalisiert wird, denen ich mich eigentlich sehr zugeneigt fühle; in diesem Fall sind das konkret der Medienblog Stefan Niggemeiers und der Bildblog. Ich halte beide für wichtig, und ich teile grundsätzlich auch die Meinungen, die sie zum Thema vertreten. Dennoch habe ich das Gefühl, daß sie in diesem Fall das Augenmaß verloren haben, und ihnen ihr heiliges Anliegen — Medienkritik zu betreiben — wichtiger ist, als tatsächlich irgendetwas besser zu machen.

Warum ich dieses Gefühl habe? Weil in beiden Blogs das Thema in den letzten Tagen eine zentrale Rolle spielt, und beide, völlig entgegen ihres eigentliches Stils, Belanglosigkeiten nutzen, um die eigene These (stark verkürzt: die deutsche Medienlandschaft hat schwere Probleme [3]) zu stärken. Beispiel: dieser Artikel auf dem Bildblog, der kritisiert, daß ein Pizzabäcker aus dem Herkunftsort des Piloten interviewt wird. Anderes Beispiel: dieser — komplett belanglose! — Artikel bei Niggemeier.

Medienkritik? Ja, gerne; aber belangloseste Fehler herauszusuchen und dafür zu benutzen, die eigene Sache voranzutreiben, halte ich für kontraproduktiv. Und in dem heiklen Zusammenhang, in dem es hier geschieht: für takt- und geschmacklos.

 

[1] Heinz Strunk
[2] Irgendwo habe ich es gelesen, und es ist völlig einleuchtend: daß eine große Anzahl von Reportern zwangsläufig durch ihre Präsenz Druck aufbaut, völlig egal, wie seriös und ruhig sie im einzelnen sein mögen.
[3] Übrigens gilt hier, wie auch bei dem Emma-Artikel: ob die These inhaltlich zutrifft oder nicht, ist mir in diesem Zusammenhang völlig egal.

Sprachkritik 1: Freiheit als Wert an sich

Freiheit stellt, im allgemeinen, keinen Wert an sich dar. Der Begriff ist hohl und leer; bevor er Sinn ergibt, muß er mit Bedeutung angefüllt werden.

Wenn etwa sich selbst als „liberal“ bezeichnende Politiker mit dem Freiheitsbegriff argumentieren, meinen sie nicht jedermanns Freiheit, sondern ganz im Gegenteil die Freiheit einiger weniger. Beispiel: Worin genau liegt der Wert der potentiellen Freiheit, zwischen vielen tollen Altervorsorgen oder Krankenversicherungen wählen zu können, wenn es sich die meisten Menschen schlicht und einfach nicht leisten können? Oder, anders gesagt: die ökonomische Freiheit nicht besitzen? [1] Das bedeutet, daß, sobald der Begriff mit Bedeutung angefüllt ist, klar ist, daß die Intention, mit der der Begriff verwendet wird, den meisten Leuten zum Nachteil gereicht.

Das Perfide daran ist, daß es allerdings so klingt, als wäre es ganz was tolles, diese Art von Freiheit zu schaffen, hey, Freiheit findet jeder toll!

Das ist sie aber eben nicht. Freiheit ist nichts genuin gutes. Ebensowenig ist sie etwas genuin schlechtes, sondern eben neutral.

Man verstehe mich nicht falsch; natürlich sind zahlreiche Lebens- oder Gesellschaftsbereiche ohne Freiheit vollständig wertlos, ich nenne noch schnell das Trivialbeispiel Pressefreiheit, und finde, daß dieser Punkt damit klar ist.

Aber eben, und das ist der Punkt, der Begriff „Pressefreiheit“ ist mit Bedeutung angefüllt! Pressefreiheit existiert, sie hat ihre Grenzen und ihre Nachteile, über die man streiten kann und sollte. Das geht allerdings nur, weil Pressefreiheit ein konkreter Begriff ist. Gegen den hohlen Totschlagbegriff „Freiheit“ hingegen kann man nur mühsam und aufwendig argumentieren.

Mein Vorschlag zur Lösung dieses Problems: man nehme Argumentationen, in denen der Freiheitsbegriff auftaucht, nur noch ernst, falls sie den Begriff mit Bedeutung anreichern. Ansonsten ignoriere man sie und lese stattdessen einen Text von, sagen wir, Leo Fischer.

[1] Ich hab mir nicht allzu viel Mühe mit Googeln gemacht, also nur ein Link. Man kann aber mit etwas Geduld problemlos noch mehr finden. http://www.fdp-nrw.de/webcom/show_article.php/_c-501/_nr-40/i.html

Reisebeobachtungen

1) Montag früh: Der Beginn der Ansage im Zug wechselt von „Moin Moin“ über „Guten Morgen“ zu „Grüß Gott“.
2) Ich begegne jungen Mädchen (maximal 15), die Brot mit ungelogen daumendick Leberkäs‘ drauf gierig wegkonsumieren.
3) Die Kellnerinnen, obzwar schwerst tätowiert, tragen Dirndl.
4) Alles alles alles ist aus Eiche rustikal.
5) Im Büro steht Bier.
6) Mittwoch spät: Der Beginn der Ansage im Zug wechselt von „Grüß Gott“ über „Guten Abend“ zu „Moin Moin“, trotz spätester Stunde.
7) Wieder daheim.

Sinn des Ganzen: den Menschen vom DLR zu helfen, mit unserer coolen Software zu arbeiten.

Stilkritik, unkompakt

um_himmels_willen

Nein.

Einfach nein.

Dieses Schild des Blumenladens von Frau Menke, von dem ich aus Pietät verschweigen möchte, wo ich es fotografiert habe [1], ist auf so vielen Ebenen falsch, schlecht und geschmacksbeleidigend, daß jedem anständigen Menschen die Tränen kommen: vom auf geradezu impertinente Weise erbärmlichen Wortspiel [2] über Deppenanführungsstriche und falscher Groß- und Kleinschreibung bis hin zum traurigen Design (blöde Schriftart, verkackte Abstände, nicht mal ein Logo, triste Farbgebung — es ist immerhin ein Blumenladen, herrjeh!), hier wurde alles maximal falsch gemacht.

Naja, fast; ein, sagen wir, mit Blumen verziertes und von nackten, dicken Engeln getragenes Hakenkreuz als Firmenlogo wäre möglicherweise noch schlimmer.

 

 

[1] Aus Boshaftigkeit petze ich es allerdings heraus: Kaiser-Wilhelm-Straße, Hamburg Neustadt.

[2] Und das sagt jemand, der durchaus mit Wärme und Wohlwollen an den Friseur „Mata Haari“ und den Blumenladen „Ganz in Roses“ denkt!